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HAWIDEARI!

Schamanentum ist eine Kunstform

Das wurde mir in all den Jahren auf einem traditionellen schamanischen Weg der alten Schule klar. Eine spirituelle Kunstform, welche den Kräften und den Geistern, die durch unsere Seelen tanzen, Raum verschafft, sich auszudrücken.

Die tiefen Trommelschläge in Verbindung mit dem breiten Spektrum der menschlichen Stimme erzeugen ein energetisches Feld, in dem sich die Geister ausdrücken können und wir mit ihnen interagieren, kommunizieren und unseren eigenen Platz wiederfinden und einnehmen können, eingebunden in das große Netz des Lebens.

Egal ob Schamane oder nicht: Jeder Mensch ist nicht nur Teil der Natur, sondern ist selbst Natur. Sobald wir uns wieder daran erinnern, stehen uns ungeahnte Kraftquellen zur Verfügung, die unser alltägliches Leben erheblich zum Positiven wenden können.

Hawi!

Mein Name ist Günther, mein schamanischer Name ist Morzuk. Der Name wurde mir von meinem Lehrer Karagai Kam, einem Schamanen aus Chakassien, Sibirien, vor mittlerweile knapp 15 Jahren gegeben. 

Wichtig ist dabei vorwegzunehmen, dass nicht die Anzahl der Jahre ausschlaggebend ist, sondern vielmehr die tatsächliche Intensität der Erfahrung.

Nun, Ich trage den Namen mit Ehre weiter, solange, bis ich irgendwann dann den Geist aufgebe und die Erschtepfe von unten sehen werde.

Der Name trägt für mich sehr viel Erinnerung und auch einiges an Erfahrung durch die verschiedenen Abschnitte des traditionellen Weges hindurch und darüber hinaus.

Er trägt die Qualität eines Unterwelt Wächter und Unterwelt Architekten, die Energie des schwarzen Wolfsdachs, eine Fusion des Wolfs- und Dachsgeistes. Ein totemischer Name, der animalische Kräfte trägt, die mit der Unterwelt in Verbindung stehen.

Dazu würde sich noch viel sagen lassen, ebenso zur schamanischen Klassifizierung innerhalb der Tradition. 

Doch das erspare ich mir hier.

Zeremonie mit Schülern im Pinzgau 2025
Zeremonie mit Schülern im Pinzgau 2025

Mein schamanischer Werdegang

Mein schamanischer Werdegang umfasst viele verschiedene Stationen. Um einen kleinen Überblick zu geben, möchte ich hier eine kurze Zusammenfassung wiedergeben. Dabei lasse ich übertriebene und unnötige Selbstdarstellung beiseite, und schon gar nicht geht es mir um Zertifikate und all das Zeugs.

In der schamanischen Kunst geht es vor allem um die Menschen, die Hilfe brauchen, und weniger um den Schamanen selbst.

Mein Weg im Schamanismus begann aktiv 2010 in Indien und führte mich ziemlich schnell nach Nepal in den Himalaya. Massive gesundheitliche Probleme brachten mich dort zu den Schamanen. Ich fand einen Lehrer und begann zu lernen. Gleichzeitig wurde ich langsam wieder gesund, durch die schamanische Heilweisen. Mein Lehrer gehörte zur Volksgruppe der Tamang.

Shiva Mond Zeremonie mit den Okhaldunga Schamanen
Shiva Mond Zeremonie mit den Okhaldunga Schamanen

Zuvor verbrachte ich einige Monate auf Leichenverbrennungsplätzen mit Aghori Sadhus, von denen manche auch Kannibalen waren. Eine prägende Erfahrung und eine direkte Konfrontation mit dem großen Lehrmeister Tod.

Mit Aghori Baba, Muktinath, Nepal
Mit Aghori Baba, Muktinath, Nepal

Nach einer gewissen Zeit bei den Schamanen, nach ersten Lernfortschritten und Erfahrungen, begannen die Träume von  Schamanen, offensichtlich einer anderen Tradition. Zu dieser Zeit lebte ich in Nepal in Höhlen. Die Träume hielten über mehrere Wochen an. Ich sah Schamanen mit Federkronen und Gewändern, die mit vielen bunten Fransen und Bändern geschmückt waren, mit Trommeln um ein Ritualfeuer.

Es entwickelte sich ein innerer Ruf und ich musste diesem folgen um meinem Weg wirklich zu finden. Es stellte sich heraus, dass diese Schamanen in Russland lebten, genauer gesagt in Chakassien, Sibirien. Also machte ich mich daran, sie ausfindig zu machen und dorthin zu reisen, mit dem Segen der nepalesischen Schamanen.

Dieses Vorhaben war erfolgreich. Nachdem ich zwischenzeitlich wieder in Österreich war, begann ich bereits, die Natur und die Berge mit anderen Augen zu sehen. Ich fing an, regionale Bräuche und schamanische Reste zu suchen und mich intensiver mit dem zu beschäftigen, was davon noch erhalten geblieben war.

Dann ging es weiter. Nach mehreren Umwegen mit der Transsibirischen Eisenbahn über das Altai-Gebirge fand ich die Schamanen aus meinen Träumen letztendlich in Chakassien und wurde dort sogleich aufgenommen.

Ich traf Karagai Kam und die Vereinigung Spirit of Wolf. Es waren tatsächlich die Schamanen aus meinen Träumen.

Aufnahme in Spirit of Wolf und Anerkennung als persönlicher Schüler von Karagai Kam, Sibirien
Aufnahme in Spirit of Wolf und Anerkennung als persönlicher Schüler von Karagai Kam, Sibirien

Karagai nahm mich sofort auf und wurde mein Lehrer. Diese Beziehung war für meinen weiteren Weg von größter Bedeutung und besteht bis heute.

Karagai Kam in Chakassien, Sibirien
Karagai Kam in Chakassien, Sibirien

Zurück in Österreich begann ich damit, das, was ich von Karagai gelernt hatte, umzusetzen und vorerst allein, regelmäßig die Feuerrituale rund um den Jahreskreis durchzuführen sowie einfache Behandlungen anzubieten. Jeder Schritt war dabei immer mit der Führung meines sibirischen Lehrers verbunden.

Gleichzeitig setzte ich meine regionale schamanische Forschung und die Besuche verschiedener regionaler und überregionaler Kraftplätze fort. Eine wegweisende Reise führte mich nach Val Camonica in den norditalienischen Alpen. Ein Tal mit über 250.000 Petroglyphen und unzähligen Menhiren und Artefakten, die von Archäologen ausgegraben wurden. Für mich entstand hier eine klare, direkte Verbindung zur sibirischen Schamanentradition und damit ein Hinweis darauf, dass es eine solche Tradition mit Sicherheit auch in den Alpen und wahrscheinlich in ganz Europa gegeben haben könnte. Im Laufe der Zeit wurde diese Annahme durch weitere Forschungen und Austausch mit Anderen immer stärker untermauert. 

Ebenso gab es noch weitere Reisen zurück nach Nepal, zu den Schamanen, dieses Wissen wurde ebenso integriert und umgesetzt, jedoch nun im Rahmen der Wolfstradition. Heute sind Elemente und Prinzipien der Himalaya Tradition immer noch Teil meiner Arbeit.

Spirit of Wolf in Abtenau/Tennengau
Spirit of Wolf in Abtenau/Tennengau

Spirit of Wolf Union

Die Dinge begannen sich immer weiter zu entfalten. Ich wagte den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete eine Praxis von Spirit of Wolf für schamanische Behandlungen in Österreich. Darauf folgte in Kooperation mit Karagai und Spirit of Wolf in Sibirien die Gründung der schamanischen Gemeinschaft Spirit of Wolf - Europa.

Schnell fanden sich die ersten Interessenten und Schüler. Die Gemeinschaft wuchs langsam weiter und hatte schließlich auch Mitglieder in Amerika. So wurde aus Spirit of Wolf Europa die Schamanische Gemeinschaft Spirit of Wolf International.

2022 wurde mir der Vorsitz der Gemeinschaft übertragen und Karagai widmete sich anderen Aufgaben. Bis heute pflege ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm und er steht mir weiterhin in der Führung der Gemeinschaft zur Seite.

2026 wurde aus der Spirit of Wolf Gemeinschaft schließlich eine Union, die nach strengeren Leitlinien arbeitet.

Stand 2026 umfasst die Gemeinschaft 75 Mitglieder in ca. 10 Ländern, darunter mehrere Mitglieder in Holland, Schottland, Estland, Deutschland und USA.

Meine Rolle ist die Führung der Gemeinschaft weltweit und die des Bashky (Lehrers) und Initiators der Einweihungsstufen.


Schamanische Behandlung - Schamanische Hilfe

Von Anfang an waren für mich die schamanischen Heilweisen von besonderem Interesse. Das war letztendlich auch der Antrieb, der gemeinsam mit dem inneren Ruf den Wunsch entstehen ließ, diesem Weg zu folgen.

In den letzten 15 Jahren durfte ich Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen der schamanischen Arbeit sammeln, mit einer Vielzahl von Menschen mit verschiedensten Hintergründen aus vielen Ländern. Es ist großartig zu sehen, wie sich Leben zum Besseren wandeln. Ich bin bis heute dankbar, diese Arbeit machen zu können, anderen zu helfen und sie ein Stück weit auf ihrem Weg zu begleiten.

Die Berichte von Schülern, die rund um die Welt mit denselben traditionellen Methoden arbeiten, und die Geschichten darüber, wie sie Hilfesuchenden helfen konnten, sind immer wieder inspirierend und erfüllend. Für mich sind sie eine klare Bestätigung dafür, dass die schamanische Kunst zeitlos ist und heute genauso gebraucht wird wie vor langer Zeit. Es hat also seinen guten Grund, warum das Schamanentum bis heute überlebt hat.

Mein heutiger Ansatz stützt sich weiterhin auf die Methodik und die Grundlagen der Wolfsgeist-Tradition, hat sich jedoch im Laufe der Jahre stark regional entwickelt. Daher arbeite ich vor allem mit den Geistern meiner Heimat sowie mit den Ahnen und Symbolen des Landes.

Dabei sind bereits viele Elemente eingeflossen, die weit zurückreichen, zu den Kelten und noch weiter in Richtung Paläolithikum. Elemente die heute teilweise noch im alpinen Brauchtum zu finden sind.

Im Zentrum steht jedoch immer der Mensch. Ihm in den unterschiedlichsten Lebensbereichen zu helfen, mithilfe archaischer Methoden, ist und bleibt der Kern meiner Arbeit.

Meine Heimat -

Pinzgau, ein Juwel der Alpen

Obwohl es in den Alpen und sogar in ganz Europa keine lebendige schamanische oder animistische Tradition mehr gibt und Kultur welche diese trägt, sind dennoch viele Fragmente erhalten geblieben. Ohnehin ist alles Wissen in der beseelten Natur gespeichert und durch erweiterte Bewusstseinszustände zugänglich.

Gerade im Brauchtum finden sich viele stark animistische und schamanische Elemente. Das Brauchtum rund um die Rauhnächte, in denen die Frau Percht über das Land zieht, ist dafür ein Beispiel. Sie ist auch als Figur bei den Perchtenläufen präsent und zentral. 

Die Frau Percht kann also als eine alpine Göttin, die alpine Form der Erd und Bergmutter verstanden werden. Ihre mythologischen Nachfahren sind daher die Saligen, die Wildfrauen, denen wir in unzähligen Sagen begegnen.

Die Perchtenfiguren sind Erscheinungen verschiedener regionaler Geister, die mit der alpinen Landschaft verbunden sind und mit denen sich wunderbar schamanisch arbeiten lässt.

Der gesamte Jahreskreis trägt viele schamanische Elemente in sich, so zum Beipiel das Maifest, Allerseelen und der Krampus und eben der Perchtenbrauch. Viele dieser Ankerpunkte im Jahr sind mit höchster Wahrscheinlichkeit uralt und vorchristlichen Ursprungs. Ich schätze mich glücklich da vieles davon im Pinzgau noch ziemlich lebendig ist.

Es gibt unzählige Kult- und Kraftorte in den Bergen, die oft mit Sagen und Mythen in Verbindung stehen. Die alpine Region besitzt einen immensen Schatz an Sagen und Mythen, in denen viel Schamanisches erhalten geblieben ist, wenn auch oft stark verzerrt durch die späteren kirchlichen Missionare.

Dazu kommt ein reiches Kräuterwissen, tausende Jahre alte Petroglyphen, eine mehr oder weniger erhaltene Runenwissenschaft sowie eine tiefe Bedeutung, die sich in der Sprache, den Dialekten und in Berg-, Fluss-, Flur- und Ortsnamen wiederfindet.

All dies sind Fragmente, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen.

Dieses große Ganze bedeutet jedoch nicht, in eine vergangene Zeit zurückzugehen, in der Menschen animistisch lebten, etwa bei den Kelten, und zu versuchen, diese Lebensweise eins zu eins zu rekonstruieren oder nachzuahmen.

Es geht vielmehr um einen Weg nach vorne. Um die Integration und Umsetzung dieser alten Elemente, gewisser zeitloser, menschlicher Werte unserer Vorfahren, in der heutigen Zeit, entsprechend angepasst. Und zwar zugänglich für alle, die offen dafür sind, sich wieder mit den spirituellen Wurzeln ihrer Heimat zu verbinden, unter anderem durch die Botschaften der Mythen und Sagen, die uns über sehr lange Zeit erhalten geblieben sind.

Die Saligen mit den ihnen geweihten Gams
Die Saligen mit den ihnen geweihten Gams

Ich sehe es als eine meiner Aufgaben in der heutigen Zeit, bestimmte Dinge, die lange Zeit verborgen und vergessen waren, wieder für alle zugänglich zu machen, die sich dafür interessieren. Ich möchte inspirieren, zum Nachdenken anregen und letztlich einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Salige, die Wilde Frau, aus ihrer Höhle zu befreien, sozusagen und der großen Bergmutter Percht, der dreigesichtigen Alpengöttin, dabei zu helfen, ihren rechtmäßigen Thron zurückzuerobern und so wieder in den Herzen der Menschen zu erwachen.

Urige, alte Schiachpercht "Goiserer"
Urige, alte Schiachpercht "Goiserer"
Frau Percht mit 2 Gesichtern in den Rauhnächten, Goldegg/Pongau
Frau Percht mit 2 Gesichtern in den Rauhnächten, Goldegg/Pongau

Val Camonica/Tal der Götter in Norditalien
Val Camonica/Tal der Götter in Norditalien
Der Thron der Frau Percht im Tennengebirge
Der Thron der Frau Percht im Tennengebirge
Fußabdruck der Wildfrau im Stubachtal/Pinzgau
Fußabdruck der Wildfrau im Stubachtal/Pinzgau